Agar Agar

Agar Agar – The Dog And The Future – September 28, 2018

Das Duo aus Armand (26, Synthies und Maschinen) und Clara (25, Vocals und ebenfalls Maschinen) hat sich an der École des Beaux-Arts in Cergy gefunden, die unsere beiden dem Trance verfallenen Helden besuchten. Armand steht vor allem auf Synthies und schwört auf den Techno vom Warp-Label, auf etwas durchgeknallte futuristische Konzepte. Clara dagegen hat mit ihrer Band Cannery Terror einen Background als leidenschaftliche Garage-Rock-Sängerin. Eines Abends beschließen sie, gemeinsame Sache zu machen: Agar Agar erblickt das Licht der Welt.

 

Während sie ihren Vertrag bei Cracki Records signen, veröffentlichen sie 2016 ihre erste Maxi, „Cardan“, auf der wir Clara erstmals in ihrer Rolle als Priesterin des Goth begegnen: Eine Art Wiedergeburt von Siouxsie im Gewand von Donna Summer. Stücke, die klingen wie ein diskoider schamanischer Trip, dunstig und ultra-langsam, ein Aufruf zu Besessenheit und Hingabe. Innerhalb von zwei Jahren und mit nur zwei Maxis à vier Titeln im Köcher bespielen Agar Agar Konzert-Venues wie Gaîté Lyrique oder La Cigale in Paris, die Monate im voraus ausverkauft sind.

 

Jetzt hat die Stunde ihres ersten Long-Players geschlagen: The Dog & The Future mit dem Artwork des Künstlers Keith Rankin. Das Album wurde in einem Landhaus bei Biarritz komponiert, in absoluter Konzentration und weit entfernt vom Tournee-Marathon. Ausgehend von dem Setup, das längst zu ihrer klanglichen Unterschrift geworden ist, wurde „The Dog & The Future“ wie ein Konzept-Album realisiert. Der erste Teil „The Dog“ ist eher für die Bühne gedacht, der zweite Teil „The Future“ ist dagegen nachdenklicher und musikalisch riskanter.

 

Auch hier taucht das Markenzeichen von Agar Agar wieder auf: Claras hingebungsvolle Stimme schwebt über makellosen, dunstigen Slow-disco Instrumentals. Es ist ein melancholisches, nostalgisches und zugleich poppig-futuristisches Album, das sich thematisch um die virtuelle Realität, um Simulationen des Lebens, um Hunde und um die Liebe dreht. The Dog & The Future steckt voller Perlen wie „Shivers“: ein hochfliegendes Stück, bei dem Clara sich komplett gehenlässt und zu einer charismatischen Pop-Sängerin wird.

 

Ein bisschen weiter stoßen wir dann auf die Single „Fangs out“ (Die Reißzähne!), deren ultra-düsteres Video sich irgendwo zwischen billigem 3D und realistischen Kameraschüssen bewegt und damit an eine Black Mirror Episode auf Codein erinnert. Der Track „Sorry About The Carpet“ wiederrum ist durch das Slacker-Universum des Underground-Komik-Künstlers Simon Hanselmann geprägt: es geht um Themen wie zugedröhnte Trips unter Freunden, Paranoia und Momente der subjektiven Anmut.

 

Ja, das Absurde, die Langeweile und die naive Poesie der Jugend sind immer mit im Spiel bei Agar Agar, und „The Dog & The Future“ strotzt vor Augenzwinkern in Richtung Pop-Kultur, vor labyrinthischen Rätseln, Opium-geschwängerten Schwingungen und noch ganz anderen Dingen. Ein Album, das oszilliert zwischen Granatapfel großen Herzen, einem Himmel aus Schatten, dem Dunst der Erde, mystischen Zuckungen und dem schwarzen Leder des Nihilismus der neuen Blank-Generation.

 

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